GODDIE VS. CHRISTIAN

Hallo Christian… Goddie von Deathgrind hier!

 

Ihr macht es einen wirklich nicht einfach! Um gleich die Karten auf den Tisch zu legen… Ich kannte den Namen NECROPHAGIST zwar schon etwas länger (aus diversen Interviews mit anderen Bands), habe mich aber - um ehrlich zu sein – erst in den letzten Wochen eingängiger mit ihm beschäftigt… mit mäßigem Erfolg! Weißt du eigentlich, wie verdammt spärlich die Informationen im Netz der Netze über NECROPHAGIST gesät sind? Das einzige was einem das Googleversum zu diesem Thema ausspuckt sind die beiden höchst beeindruckenden MP3’s (Anm. G.: siehe auch unter Deathgrind - Band des Monats Juli 2003), ein überschwängliches Review zum letzten Album sowie zahlreiche Lob-Kommentare anderer Musiker (OBSCENITY, HARMONY DIES, LIVIDITY… usw.) … Ist diese Geheimnisgräberei beabsichtigt oder bin ich einfach nur zu blöd zum Suchen?

 

Eigentlich keines von beidem. Die Informationen, die im Internet über uns vorhanden sind, findest du entweder auf unserer Homepage (www.necrophagist.de) oder in den Interviews, die Muhammed nach dem Erscheinen von Onset of putrefaction gegeben hat, ansonsten gibt’s da nicht viel. Ich denke ganz einfach, dass wir nach wie vor nicht bekannt genug sind. Es gab ja bisher nie Interviews oder Berichte in größeren Metal-Magazinen, immer nur in verschiedenen Underground-Mags. Des weiteren musst du wissen, dass das Label, welches Onset veröffentlicht hat, sich kein bisschen um PR oder Werbung für die CD gekümmert hat, daher wurden auch von dieser Seite aus keine Informationen weitergegeben. Der Bekanntheitsgrad den wir jetzt haben wurde lediglich durch Mund zu Mund Propaganda unter den Fans oder eben, wie du bereits erwähnt hast, durch Statements anderer Musiker, die uns kennen, erreicht. Die CD gibt’s ja schon lange nicht mehr zu kaufen, und ich denke, dass ein Großteil der Fans uns nur durch Napster oder ähnliches kennt.

 

Also gut, packen wir es an! In 11 Jahren Bandgeschichte hat sich sicherlich so einiges an Besetzungswechseln und kleineren Skandälchen  ereignet… Wie wär’s mit ner kleinen Necro - Geschichtsstunde (Anm. G.: Achtung!!! Google – Stichwort: NECROPHAGIST – KURZBIOGRAPHIE)??? Warum zählt die Band zurzeit nur zwei feste Mitglieder?

 

Nun, da ich erst seit Mai 2002 in der Band bin, habe ich die ersten 10 Jahre nicht miterlebt und kann das ganze daher nur grob wiedergeben:

Meines Wissens wurde die Band Ende 1991 von Muhammed und seinen damaligen Schulfreunden Jochen Bittmann (Bass) und Raphael Kempermann (Drums) gegründet. In dieser Besetzung wurde auch 1992 das erste Demo eingespielt. Als das 1995er Demo mit frühen Versionen von Foul Body Autopsie und Fermented offal discharge eingespielt wurde, kam Martin Holzapfel, der inzwischen bei der Karlsruher Prog Metal Band Seed zockt, als Gastgitarrist dazu, war aber nie ein fester Bestandteil der Band. Später wurde Raphael Kempermann dann von Daniel Silva abgelöst. In dieser 3 Mann Besetzung, also mit Jochen Bittmann am Bass und Daniel als Drummer sollte dann 98 auch Onset of putrefaction eingespielt werden. Allerdings ergaben sich damals einige Probleme mit Daniel (ihm fehlte es wohl an Motivation, seine Technik auf Fordermann zu bringen, um für die Aufnahmen gut genug zu spielen), so dass dieser die Band verließ und ein Drumcomputer verwendet werden musste. Jochen Bittmann hatte wohl während der Aufnahmen keinen Bock mehr und  verließ die Band aus mir unbegreiflichen Gründen. So ergab sich also, dass aus Necro damals ein Ein-Mann-Projekt wurde. Später gab es dann noch mal einige Besetzungswechsel, Daniel kam als Drummer wieder dazu, der Gitarrenposten wurde zwischenzeitlich zweimal umbesetzt, bis ich 2002 zur Band stieß. Julian Laroche, der uns auch bei den letzten Gigs ausgeholfen hat,  spielte nach der CD live Bass, hörte aber aufgrund schulischer Verpflichtungen wieder auf. Zwischendurch war Heiko Linzert am Bass dabei (von Januar bis August 2003), für die Aufnahmen zu üben war ihm wohl aber zu viel Arbeit, also musste er die Band verlassen. Ebenso war es Daniel Silva’s freie Entscheidung, dass er nicht auf der neuen Platte spielen wollte, da er laut eigenen Aussagen inzwischen andere musikalische Interessen hat und daher ebenfalls nicht für die Aufnahmen üben wollte.     

 Allerdings kann man nicht wirklich von Skandälchen sprechen. Ich weiß, dass eine Menge Gerüchte aufgrund der andauernden Besetzungswechsel kursieren. Ich muss allerdings dazu sagen, dass alle Leute, die Necrophagist verlassen haben, selbst dafür verantwortlich waren. Ich möchte hier jetzt niemandem zu nahe treten, es ist aber eine Tatsache, dass die ehemaligen Mitglieder bisher immer nur interessiert hat, was sie für sich selbst aus Necro herausholen konnten, sie aber nicht bereit waren, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Jeder genoss natürlich die Anerkennung, die man bekommt, wenn man bei Necro zockt; das ganze ist aber auch mit sehr, sehr viel Arbeit verbunden, da es nicht die einfachste Sache der Welt ist, die Songs zu spielen. Und wenn es um harte Arbeit und hohen zeitlichen Aufwand  geht, ziehen eben viele den Schwanz ein. Muhammed ist jedenfalls kein diktatorischer Bandleader, der einem keine Freiheiten lässt und einem das Leben innerhalb der Band schwer macht, und Necrophagist ist auch kein Soloprojekt, sondern definitiv eine richtige Band. Tatsächlich zählt die Band zur Zeit drei feste Mitglieder, allerdings sind von dem Line Up, mit welchem wir die diesjährigen Shows spielten, nur Muhammed und ich übrig. Wir haben einen neuen Drummer namens Hannes Großmann. Er ist aber  erst seit 8 Wochen dabei, weshalb er zur Zeit nur die neuen Songs fürs nächste Album übt und wir uns daher entschieden, die restlichen Gigs noch mit unserem alten Drummer zu spielen. Das ist auch der Grund warum es live keine neuen Songs zu hören gab.  Den Bass auf der nächsten CD werde ich spielen, wir sind allerdings immer noch auf der Suche nach einem festen Bassisten, der das gleiche Engagement mitbringt wie wir. Wir brauchen jetzt unbedingt ein dauerhaft konstantes Line Up, da die vielen Besetzungswechsel die Band immer wieder aufgehalten haben.

Wie schaut’s mit eueren Texten aus? Songtitel der Marke „Foul Body Autopsy“ lassen mich eher auf die typische Death Metal – Gore and Guts – Schiene schließen… Was ich allerdings ohne Textplatt nicht mit Bestimmtheit sagen kann…

Ja, die Songtexte auf Onset of putrefaction gehen tatsächlich in die Splatter/Gore Richtung. Die Lyrics sind allerdings schon sehr alt. Auf der neuen Platte wird es so was definitiv nicht mehr geben, da wir uns unbedingt von diesem Klischee lösen wollen. Die Texte des neuen Albums werden wesentlich subtiler ausfallen und passen somit auch besser zur Ausrichtung des neuen Materials.

Ebenso beeindruckend wie die Statements der anderen Musiker über NECROPHAGIST finde ich die – mit klanghaften Namen nur so gespickte – Liste der Bands, mit welchen ihr bereits die Bühne geteilt habt (CANNIBAL CORPSE, MARDUK, NAPALM DEATH, SUFFOCATION… um ein paar zu nennen). Was waren hierbei für dich als Fan die absoluten Highlight und wer war rein menschlich gesehen eher eine Enttäuschung?

 

Es war definitiv ein Highlight für uns, auf dem gleichen Festival wie Suffocation zu spielen, da sie einer unserer größten Einflüsse sind und jeder von uns auf diese Band steht. Wir haben die Leute von Suffo allerdings nicht getroffen, da sie einen Tag vor uns auf dem Maryland Deathfest spielten und wir an jenem Tag eine Show in Philadelphia hatten. Die Jungs von Cannibal Corpse, mit welchen wir in der Tschechei zockten,  waren wirklich locker. Sie haben sich unseren kompletten Set von hinter der Bühne angesehen. Alex Webster kam am Ende zu uns und gab uns ein großes Lob. Rein menschlich gesehene Enttäuschungen gab es von Seiten anderer Bands bisher eigentlich nicht wirklich, das sind oft eher die Leute aussenherum, wie zum Beispiel Soundtechniker größerer Bands, die einem keinen Line Check erlauben oder den eigenen Mischer keine Einstellungen vornehmen lassen wollen, oder Veranstalter, die sich nach der Show mit der Gage verdrücken (was z.B. in New York vorkam). Aber auch solche Vorfälle sind eher selten, im großen und ganzen kann man sich wirklich nicht beklagen.

Wie kam es zu euerer kürzlich mit COMMIT SUICIDE absolvierten, vom Maryland Deathfest gekrönten USA - Kurz - Tour (Anm. G.: 22 – 25 Mai… vier Tage; vier Gigs)? Musstet ihr den Trip selbst finanzieren?

 

Das kam so zustande, dass die Veranstalter vom Maryland Deathfest uns eingeladen haben, auf dem Festival zu spielen. Wir dachten, dass es sinnvoll wäre, gleich noch ein paar weitere Konzerdaten dran zu hängen, wenn wir schon mal in die USA fliegen. Wir spielten Clubgigs in Pittsburgh, New York und Philadelphia, bevor wir am vierten Tag schließlich in Baltimore auf dem Deathfest zockten. Wir mussten den Trip nicht selbst finanzieren, da die Leute vom Deathfest sowie Jason von Willowtip Records uns die Flugtickets zahlten und sich um die Übernachtungen und die Leute von Commit Suicide sich um den Transport des Equipments zu den verschieden Auftrittsorten kümmerten. Ohne Jason und Commit Suicide wäre das ganze nicht möglich gewesen, weshalb wir ihnen sehr, sehr dankbar sind.

 

Was kannst du uns über die Auftritte im einzelnen sagen? Inwiefern unterscheidet sich der Deutsche bzw. Europäische Fan vom gemeinen US - Banger?

 

Die Reaktionen in den USA waren unglaublich. Nie zuvor habe ich solch ein euphorisches Publikum erlebt. Besonders die Shows in New York und auf dem Maryland Deathfest waren von Seiten des Publikums beeindruckend, die Leute sind schier durchgedreht. Es gab sogar Freaks, die 23 Stunden mit dem Bus von Kanada nach Baltimore gefahren sind, nur um uns zu sehen. Ich habe bei den US-Fans den Eindruck, dass sie sich gegenüber den deutschen Fans  intensiver mit der Musik an sich auseinandersetzen. Die sangen die Riffs und stellenweise sogar die Soli Ton für Ton mit, die kannten die Songs besser als wir, ha ha.

 

Stichwort neues Album! Laut unserer kleinen „Band des Monats“ – Rubrik werdet ihr noch im Oktober dieses Jahres ein neues Album einspielen (vorrausichtliche Veröffentlichung Jan 2004)… Habt ihr hierbei schon konkrete Vorstellungen über Sound und Ausrichtung des Zweitlings? Worin wird sich dieser vom – mittlerweile ausverkauften -Debüt unterscheiden? 

 

Die neuen Songs sind bereits komplett fertig komponiert, und die Aufnahmen beginnen bereits diese Woche. Das neue Album wird wesentlich melodischer ausfallen als Onset of putrefaction, zugleich wird es aber auch um einiges schneller, brutaler und technischer als auf dem Debüt zur Sache gehen. Die neuen Songs sind ungefähr doppelt so schwer zu spielen wie die Songs auf Onset. Obwohl das neue Material wesentlich technischer ist, wird es auch eingängiger sein. Die Kompositionen haben mehr Tiefe  und einen nicht ganz so mechanischen Charakter wie die Songs des ersten Albums.

 

Gibt es bereits Coverentwürfe?

 

Nein, bisher hatten wir noch gar keine Zeit, uns darüber Gedanken zu machen. Das neue Logo steht aber bereits fest, es ist auch auf den neuen, bereits erhältlichen T-Shirts zu sehen.

 

In welchen Studio nehmt ihr auf? Plant ihr dieses Mal mit einem Drummer aus Fleisch und Blut?

 

Wie oben bereits erwähnt haben wir einen neuen, „echten“  Drummer. Er ist gerade mal 21 Jahre alt, wird aber mit Sicherheit einen Großteil der Death Metal Drummer das Fürchten lehren, ha ha. Er hat bereits seit 10 Jahren Unterricht bei einem Jazz Drummer, kann daher hervorragend mit Notation umgehen und die rhythmisch vertracktesten Parts direkt vom Blatt spielen. Bis vor 8 Wochen hatte er nie richtige Blast Parts gespielt, inzwischen blastet er alle früheren Necro-Drummer an die Wand.

Wir werden die Gitarren, Bass und Gesang selber aufnehmen, da wir uns von der Kohle, von der wir das Studio gemietet hätten das notwendige Equipment zugelegt  und unseren Proberaum zum Studio umfunktioniert haben. Nur das Schlagzeug werden wir in einem Studio in Freiburg aufnehmen, da uns hierzu einfach die Möglichkeiten fehlen.  

 

Eine Sache, die ebenfalls in der oben schon öfters erwähnten Rubrik angeschnitten wurde, ist die Tatsache, dass ihr momentan in der heißen Verhandlungsphase mit einem Label steckt. Wie lange wird sich diese noch hinauszögern?

 

Ja, wir verhandeln zur Zeit mit einem größeren Label, haben allerdings noch nicht unterschrieben, daher kann ich derzeit noch nichts offizielles sagen. Es ist jedoch ziemlich sicher, dass die neue CD ab Februar nächsten Jahres in jedem seriösen Plattenladen erhältlich sein wird.

 

mmmm…. Ich hab vor kurzen eine coole Schlussfrage in einem anderen Interview entdeckt, die ich hier jetzt einfach mal kopiere! Ähem… „Welche Frage würdest du gerne selber mal beantworten, hast sie aber noch nie gestellt bekommen?“

 

Ah, das ist einfach. Ich würde gerne einmal folgende Frage beantworten: „Wir drehen gerade einen Pornofilm mit Britney Spears, Christina Aguilera und Jennifer Lopez in den Hauptrollen, haben aber noch keinen männlichen Darsteller. Hast du Interesse?“ Bin dabei!

 

Danke und Tschüss!